Wer Schüler der Gustav Friedrich Meyer Schule war, wird es kennen. Allgemeines Unwohlsein, grobe Unlust sich allmorgendlich zum Zweck der Belehrung und Unterrichtung in die Schule zu begeben, allein das frühe Aufstehen ist ja schon immer irgendwie schwer gefallen. Jetzt endlich gibt es eine plausible Erklärung dafür, warum tausende Schüler in den letzten Jahrzehnten täglich diese unerklärlichen Symptome vespürten. Endlich deshalb, weil wir schon beinahe glaubten, das habe an uns selbst gelegen.
Weit gefehlt. Gustav hat Schuld. Genaugenommen: Gustav Friedrich Meyer, seines Zeichens Mittelschullehrer. Wikipedia weiß über diesen Meyer, nach dem die Gaardener Gustav Friedrich Meyer Realschule benannt ist:
Gustav Friedrich Meyer * 28. Februar 1878 in Pönitz, Ostholstein; † 29. Juli 1945 in Neustadt in Holstein) war ein deutscher Volkskundler.
Meyer war Mittelschullehrer in Kiel und wirkte als Mitarbeiter am „Schleswig-Holsteinischen Wörterbuch“, das von Otto Mensing herausgegeben wurde. Schon vor dem ersten Weltkrieg begann er mit volkskundlicher Sammelarbeit im Dänischen Wohld und im Lauenburgischen. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft setzte er seine volkskundlichen Erkundungsreisen durch ganz Schleswig-Holstein fort und sammelte Märchen, Sagen, Volksglaubensberichte, Schwänke, Rätsel, Lieder und Berichte über Brauchtum. Sein Archiv befindet sich heute in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel.
Ein verdienstvoller Mann könnte man meinen. Doch weit gefehlt, heißt es nun plötzlich. Meyer habe einiges auf dem Kerbholz. Habe seine wissenschaftliche Arbeit in den Dienst der Nazis gestellt, sagt Frau Dr. Eckert, Leiterin der GFM-Realschule. Nun kann sich in den Augen manches Linken erfahrungsgemäß Jeder, der in der bösen Zeit nicht konsequent ortsabwesend war, oder wem der Pulvergeruch aus dem aktiven Dienst bei der Resistance nicht mehr ausreichend anhaftet, damit allein schon verdächtig machen, einer „von Denen“ gewesen zu sein. Zu prüfen wäre nun in meinen Augen, WAS Meyer tatsächlich getan, gesagt oder geschrieben hat. Der Sache werde ich mal nachgehen.

Quelle: Schulporträts des Landes Schleswig-Holstein
Schließlich bin ich selbst auf die Gustav Friedrich Meyer Schule gegangen. In Wahrheit hat es niemals wegen seines Namens oder seines Werkes irgendwelchen Konflikt zwischen Schülern oder Angehörigen unterschiedlicher Kulturen oder Volksgruppen gegeben. Und ich frage, warum hat es jahrzehntelang bis heute offenbar den Schülern nicht geschadet auf eine Gustav Friedrich Meyer Schule zu gehen? Die Schulleiterin Frau Dr. Eckert meint, Meyers Haltung entspräche nicht dem Leitbild der Schule, weil man viele Kulturen integrieren wolle.
Jetzt frage ich mich, ohne bisher genau zu wissen, wie sich Meyer zur Integration fremder Kulturen geäußert hat, ob nicht gerade das Werk und Leben eines Sammlers heimatkundlicher Güter im holsteiner Raum zur Ausbildung eines gemeinsamen identitären Bewusstseins innerhalb vieler verschiedener zu integrierender Kulturen beitragen kann? Zur Integration also beitragen kann?
Ich befürchte, daß die Begründung der besseren geografischen Verortbarkeit einer „Gemeinschaftsschule am Brook“ lediglich ein vorgeschobener Grund ist. Und ich befürchte weiter, daß hier primär von einigen es GUT meinenden Sozialdemokraten und Linken dem ideologisch fundamentierten Drang zur politisch korrekten historischen Säuberung des Straßenbildes (und des öffentlichen Raumes an sich) Rechnung getragen werden soll, dem neben tatsächlich und offenkundig traditionsunwürdigen Personen auch gelegentlich Persönlichkeiten zum Opfer fallen (gefallen sind), denen man letztlich nicht viel mehr als eine nach heutigen Maßstäben(!) zu undeutliche Distanz zum gesellschaftlichen Mainstream ihrer Zeit nachsagen kann.
Bisher haben meine Erkundigungen und Recherchen im Landesarchiv noch keinerlei Belege zu den Vorwürfen gegen Meyer ans Licht gebracht. Ich bleibe dran. Die Entscheidung wird übrigens endgültig vom Schulausschuss und der Ratsversammlung getroffen werden müssen. Auf der Tagesordnung des nächsten Schulausschusses steht dieser Tagesordnungspunkt jedoch noch nicht. Bis es soweit ist, hoffe ich hier mit weiteren Details Licht ins Dickicht zu bringen.
-Thorsten Albrecht